Brexit: Hilfen für mittelständische Unternehmen

Das Vereinigte Königreich (UK) ist Deutschlands viertgrößter Handelspartner. Der Brexit wird viele Unternehmen deshalb kurzfristig vor große Herausforderungen stellen. So rechnet der DIHK durch den Brexit u.a. mit jährlich mindestens 10 Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen. Mercoline gibt hier Tipps, welche Hilfe betroffene Unternehmen von der Außenhandelslösung „M.SecureTrade Suite“ für SAP-ERP erwarten können.

Beim Brexit ist von drei wahrscheinlichen Szenarien die Rede. Nachfolgend erläutern wir, wie unsere Außenhandelslösung „M.SecureTrade Suite“ mittelständischen Unternehmen in diesen Szenarien Hilfe leisten kann.

Szenario 1: Kein Brexit

UK bleibt in der Europäischen Union und Großbritannien ist damit weiter Teil der Zollunion. Die Handelsbeziehungen bleiben wie bisher und es gibt keinen Handlungsbedarf. Von ATLAS über Exportkontrolle bis zu Präferenzen, alle Außenhandels-Add-ons für SAP-ERP von Mercoline lassen sich wie bisher nutzen.

Szenario 2: Brexit mit Austrittsabkommen

Nach dem Austritt im März 2019 tritt eine Übergangsfrist bis Ende 2020 in Kraft. In dieser Zeit bleiben die Handelsbeziehungen wie bisher. Sollte das ausgehandelte Abkommen vom britischen Parlament ratifiziert werden, sind innerhalb des Übergangszeitraums keinerlei Anpassungen an Prozesse und Software notwendig. Von ATLAS über Exportkontrolle bis zu Präferenzen, alle Außenhandels-Add-ons von Mercoline lassen sich wie bisher nutzen.

Während des Übergangszeitraums soll dann ein neues (Frei-) Handelsabkommen abgeschlossen werden, das auch Zoll- und Exportkontrollfragen neu regelt.

Szenario 3: Harter Brexit

UK verlässt EU und Zollunion ohne Abkommen und ohne eine Übergangsfrist und erhält folglich einen Drittland-Status. Bei einem harten Brexit gelten generell alle EU-Außenhandelsbestimmungen und Freihandelsabkommen nicht mehr für UK. Deshalb muss UK wie ein Drittstaat betrachtet werden. 

Viele Verbände und Organisationen bieten inzwischen hilfreiche Anleitungen zur Vorbereitung auf den Brexit, wie z. B.:

Für Warenbewegungen nach Großbritannien müssen Zollanmeldungen über das ATLAS-Verfahren vorgenommen werden. In „M.SecureTrade ATLAS“ müssen dann die Länder-Codelisten aktualisiert und ggf. weitere Customizing-Anpassungen vorgenommen werden. Die ATLAS-Codierungen sind dann auch für das Bestimmungsland UK anzupassen. Anschließend wickeln Unternehmen die Ausfuhren so ab wie z. B. in die USA.

Durch den Status der UK als Drittland wird die Menge der Zollmeldungen erheblich ansteigen. Der damit verbundene große Mehraufwand kann mit „M.SecureTrade ATLAS“ aber größtenteils abgefangen werden, da die Zollanmeldungen in SAP elektronisch integriert sind und alle Prozesse weitestgehend automatisch ablaufen. 

Bereits heute müssen alle Geschäftsvorgänge gegen die Sanktionslisten geprüft werden. Daran wird sich nichts ändern. Unternehmen, die bisher lediglich gegen die EU-Listen geprüft haben, sollten abwägen, ob eine Prüfung zukünftig auch gegen die United Kingdom HMT-Liste (Her Majesty's Treasury) notwendig ist. Mit „M.SecureTrade Sanktionslistenprüfung“ ist das sofort umsetzbar, da hier die Listen des Bundesanzeigerverlages genutzt werden. Die HMT-Liste für UK ist im sogenannten DIV-Paket enthalten. Kunden, die bisher noch nicht gegen diese Liste prüfen, können diese einfach per Import integrieren und in ihre Prüfprofile aufnehmen. Dann erfolgt die Prüfung automatisch auch gegen UK-Liste. Künftige Aktualisierungen der UK-Liste werden automatisch berücksichtigt.

Für Lieferungen nach Großbritannien waren bisher keine Genehmigungen o.ä. erforderlich. Das EU-Exportkontrollregime muss nach dem Brexit auf alle UK-Lieferungen angewendet werden und betrifft beispielsweise auch die EU-Dual-Use Verordnung.

Bei der Exportkontrolle muss künftig u.a. beachten werden:

  • Für alle Dual-Use-Lieferungen aus der EU nach Großbritannien benötigen Unternehmen eine gültige Genehmigung.
  • EU-Allgemeingenehmigungen sind für Exporte aus Großbritannien nach dem Brexit nicht mehr anwendbar.
  • Für einige deutsche Dual-Use-Nummern aus Teil 1 Abschnitt B der Ausfuhrliste können Genehmigungspflichten anfallen.

Alle Unternehmen in der EU müssen Ihre Lieferungen nach UK künftig in ihre Exportkontrollprozesse einbeziehen. Für alle relevanten Materialien muss eine Neubewertung unter den geänderten Exportbestimmungen vorgenommen werden.

Unternehmen, die bereits die Mercoline-Lösung „M.SecureTrade Exportkontrolle“ einsetzen, haben es hier einfach: Die vom Bundesanzeigerverlag genutzte Liste TarifeExport  wird UK bei einem harten Brexit als Non-EU-Land in die Exportkontrollbestimmungen aufnehmen und die Liste wird ergänzt. UK wird dann z. B. wie die Schweiz (CH) behandelt. Alle Vorgänge, die nach UK gehen, werden dann mit der Mercoline-Lösung geprüft. Bei Treffern wird dann - wie bei anderen Bestimmungsländern schon heute - ein Kontrollbeleg (ECD) angelegt. Dieser kann dann durch die Export- und Ausfuhrverantwortlichen bewertet werden.

Bei sehr vielen kritischen Waren wird es in den Ausfuhrprozessen voraussichtlich zu Verzögerungen kommen. Deshalb sollten bei einem harten Brexit sofort Ausfuhrgenehmigungen eingeholt oder die Whitelist-Einträge aktualisiert werden. Als Vorbereitung sollte frühzeitig geprüft werden, welche Lieferungen kritisch sein könnten.

EU-Unternehmen, die bisher für ihre Produktion Waren mit Ursprung aus UK einsetzen, werden für ihre Produkte den präferenziellen Warenursprung verlieren. UK-Unternehmen können dann keine Lieferantenerklärung bzw. Langzeitlieferantenerklärung mehr ausstellen.

Zu beachten ist, dass die bereits von den UK-Lieferanten ausgestellten Langzeitlieferantenerklärungen ebenfalls betroffen sind. Um rechtssicher zu agieren, sollten Unternehmen, die bisher Materialien aus der UK verwendet haben, eine neue Präferenzkalkulation für diese Artikel und Stücklisten vornehmen.

Sollten die EU und UK nach dem Brexit ein neues Präferenzabkommen vereinbaren, können mit „M.SecureTrade Präferenzmanagement“ neue Lieferantenerklärungen eingeholt werden.

Auswirkungen auf Intra-EU-Lieferungen

Da UK nach einem Brexit kein EU-Land mehr ist, fallen UK-Lieferungen dann nicht mehr unter die EU-Belegnachweispflichten, wie USTID-Prüfungen und Nachweise für innergemeinschaftliche Lieferungen (Gelangensbestätigungen). Hier werden die beiden Mercoline-Lösungen für USTID-Prüfungen und Gelangensbestätigung einfach angepasst.

Außerdem muss UK im SAP-Standard aus der Intrastat-Meldung herausgenommen werden. Das erfolgt durch Customizing in SAP.