CCI (Centralised Clearance for Import): Neues Zollverfahren bald verfügbar

Was es damit auf sich hat und ob CCI die Alternative zum ATLAS-Import-Verfahren ist

CCI ist weniger neues Zollrecht als eine andere Organisation der Einfuhrabfertigung. Die Grundidee: Ort der Anmeldung und Ort der Gestellung dürfen auseinanderfallen. Die Anmeldung wird im Mitgliedstaat der Niederlassung abgegeben, obwohl die Ware physisch an einem anderen Ort gestellt wird.

Fachliche Pflichten wie Tarifierung, Zollwert, Dokumentationsanforderungen oder Verbote/Beschränkungen ändern sich nicht – aber die Aufgabenteilung zwischen den beteiligten Zollstellen verändert den Ablauf.

Rollenbild: SCI und PCI

Zwei Stellen, ein Verfahren

In der CCI-Logik arbeiten zwei Zollstellen zusammen:

  • SCI (Supervising Customs Office): Zollstelle der Anmeldung und Überwachung
  • PCI (Presentation Customs Office): Zollstelle der physischen Gestellung

Die Konsequenz: Entscheidungen kommen nicht mehr aus einer Hand, und nationale Anforderungen zweier Mitgliedstaaten können relevant werden.

Ablauf im Best Case

  1. Abgabe der Einfuhranmeldung beim SCI
  2. Prüfung & Koordination durch das SCI
  3.  Physische Kontrolle durch das PCI, falls erforderlich
  4. Rückmeldung an das SCI
  5.  Überlassung


Für Unternehmen bedeutet das: Kommunikation läuft zentral über das SCI, operative Realität liegt aber beim PCI.

Vergleich mit klassischer Einfuhr: Der Transit-Aspekt (NCTS)

Viele Unternehmen nutzen NCTS, um Ware von unterschiedlichen Eintrittsorten zentral abzufertigen. CCI kann dieses Versandverfahren ersetzen, weil der notwendige Informationsaustausch zwischen den Zollstellen digital erfolgt.

Bescheide, Steuern, Zuständigkeiten

Bescheide bleiben bestehen, jedoch verteilen Verantwortlichkeiten sich anders zwischen SCI und PCI. Bei Sonderfällen steigt der Abstimmungsbedarf.

Ein Stolperstein: End-to-End-Prozesse sind im Probebetrieb nicht vollständig testbar, da Prüfungen nur Teilprozesse abdecken, wird der Austausch mit dem jeweils anderen Mitgliedstaat simuliert. Anfangs ist daher mit Kinderkrankheiten zu rechnen.
 

Für welche Unternehmen ist CCI sinnvoll?

CCI lohnt sich bei:

  • mehreren Eintrittsorten
  • zentraler Zollorganisation
  • häufigem Einsatz von NCTS
  • klaren internen Abläufen für Kontrollen/Dokumente

Kurz: CCI ist besonders geeignet für Unternehmen, die Gestellungsort und zollfachliche Steuerung entkoppeln.

Technikhinweis

CCI basiert auf elektronischem Informationsaustausch. Entscheidend für Unternehmen sind jedoch Prozessfragen: Dokumente, Nachforderungen, Kontrollen – Wer macht wann was? Dies sollte vorab bedacht werden.

Fazit

CCI ergänzt bestehende Verfahren sinnvoll, ersetzt oft das NCTS-Verfahren und ermöglicht zentralisierte Kommunikation. Gleichzeitig erfordert es eine realistische Einführung, da der Reifegrad und die End-to-End-Funktionalität je nach Mitgliedstaat variieren. Eine schrittweise Einführung ist empfehlenswert.

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